"Der Hund ist in der Tat der einzigste Säuger,

der wirklich mit uns Menschen und nicht neben uns leben kann".

(Konrad Lorenz)

Wesen

Der Hund ist ein Lebewesen, umweltoffen und im sehr starken Maße auf das Sammeln von Erfahrungen angewiesen.

Um zu lernen, um aktiv Erfahrungen sammeln zu können, benötigt er einen Antrieb dafür.

Neugier und Lernfreudigkeit sind ihm von Natur aus mitgegeben.


Nur muss er diese Anlagen auch entfalten können und zwar in jenem Alter, dass hierfür am besten geeignet ist. Wenn man einem Junghund in der Phase seines lebhaftesten Höhenwachstums schlecht ernährt, bleibt er trotz bester Veranlagung kleiner als seine gut ernährten Geschwister.

Genauso verhält es sich mit der Lernfreudigkeit. Erhält sie keine entsprechende Anreize, verkümmert sie.


Ebenso kann eine Überbeanspruchung dieser Lernfreudigkeit zur Blockierung des Lernvermögens führen.

Die Anschaffung - und goldene Regel:

Die Anschaffung eines Hundes will gut überlegt sein.

Deshalb das Allerwichtigste vorweg:

Wählen Sie nur einen Hund aus, der von der Rasseveranlagung zu Ihnen passt! Und wenn alle Personen, die unmittelbar mit Ihnen zusammenleben damit einverstanden sind.

Im Internet finden Sie dazu detailierte sogenannte "Rasseporträts" zu fast jeder Hunderasse

Dort kann man sich vorab einen ersten Überblick verschaffen.

 

Keinesfalls sollten Sie sich als "Hundeanfänger" für ein "Problemhund" aus dem Tierschutz entscheiden, meist aus dem süd- oder osteuropäischen Raum importiert, und über diverse "Soziale Medien" (Facebook, Instagram, TicToc usw. angeboten / vermittelt) auch wenn das Tier Ihnen noch so leid tut, denn hierfür sind nur sehr erfahrene Tierhalter geeignet und befähigt. 


Daher   gilt:   Natürlich können Sie einen Hund aus dem "Tierschutz" adoptieren oder einem älteren Hund für seinem letzten Lebensabschnitt noch ein liebevolles Zuhause schenken.

Es ehrt Sie und freut jeden Tierschützer und Tierfreund wenn Sie so denken und auch so handeln wollen.   

Als "Hundeanfänger" und mit Angst- bzw. Problemhunden noch "unerfahrener Halter" ist es aber ratsamer, wenn Sie sich an   Ihr örtlich gelegenes Tierheim   wenden. Auch dort warten viele liebe Tierseelen sehnsüchtig auf ihre Adoption.

Darüber hinaus wird man -mit Ihnen gemeinsam- ein Tier auswählen, das auch wirklich zu Ihnen passt.

So lassen sich "Abenteuer mit ungewissem Ausgang" weitgehend vermeiden.

Theorien und Erkenntnisse

Unklar ist den meisten Hundehaltern, die ihren Hund liebevoll und behutsam in diese Welt integrieren wollen, die Komplexität der sozialen Beziehung auf der einen Seite und die Einfachheit des Lernens auf der anderen Seite. Zu sehr wurde in den letzten Jahrzehnten das Formale, wie "Sitz, Fuß, Platz" in den Vordergrund gestellt und daraufhin der Hund für gut erzogenen erklärt.

Vernachlässigt hat man das Sozialverhalten des Hundes. Sich in der Gruppe sozial adäquat zu verhalten und sich am notwendigen souveränen Status des Menschen zu orientieren.

Zum souveränen Status des Menschen gehört die angepasste, gelegentliche Begrenzung des Hundes genauso dazu wie der behutsame Umgang mit ihm. Mit Begrenzung ist hier nicht das permanente "Drücken" des Hundes gemeint, sondern der sinnvolle Einsatz unterschiedlichster Möglichkeiten.

Genauso wenig kann aber mit "liebevoll und behutsam" ein unreflektierter Ansatz in Bezug auf Freiraum gemeint sein. Die Begriffe Freiraum und Begrenzung stehen in Abhängigkeit zueinander: Ohne das Bewusstsein von Grenzen gibt es kein Bewusstsein für Freiraum. Je klarer dies zum Hund gelebt wird, desto einfacher ist es für ihn.


"Schöne" und "unschöne" Antworten:

Zur Verwirrung der Hundehalter wird beigetragen, indem immer mehr "neue" Theorien und Erkenntnisse über Haltung, Erziehung und das "richtige" Zusammenleben von Mensch und Hund um sich greifen. Den meisten dieser "Neuheiten" ist die Tatsache gemeinsam, dass sie oft nichts mit Hunden zu tun haben, sehr wohl aber die Menschen von einer Hoffnungswelle zur nächsten tragen.

Es steht fest, dass nicht alles nur "schön" sein kann. Auch "unschöne", sehr wohl aber angepasste, Antworten sind ein unabdingbarer Bestandteil von Erziehung. Sinnvollerweise sollte sich die Wahl der Mittel immer am Entwicklungsstand des Hundes, der Kompetenz des Halters und an der genetischen Disposition des Hundes orientieren.


Häufig sind es die "unbegrenzten" Hunde, die in der Öffentlichkeit für Schlagzeilen sorgen und im Anschluss aus Ohnmacht ins Tierheim gebracht werden müssen.

"Sitz, Fuß, Platz" können sie alle. Nie gelernt haben sie, sich angepasst in unserer Welt zu verhalten. Die durch falsche Literatur und inkompetente Hundetrainer verwirrten Hundehalter tragen leider als einzige die Verantwortung dafür.


So ist es nicht verwunderlich, dass die Politik, auf Druck der Nichthundehalter, zu drastischen Maßnahmen greift. Leine und Maulkorb werden in der Zukunft immer stärker das Erscheinungsbild des Hundes in der Öffentlichkeit prägen.

Ob rassebedingt oder aufgrund eines „Vorfalles“, wie z. B. das Jagen eines Kaninchens – gleichgültig, ob der Hund es gerissen hat oder nicht – machen aus einem netten, sozial intakten Hund einen gefährlichen Hund.

Den Denunzianten wird "Futter" gegeben und die Hundehalter werden unter einen enormen Druck gesetzt.

Diese Maßnahmen und die ohnehin fragwürdigen "Wesenstests", meist aus politischer Hilflosigkeit entstanden, werden Übergriffe auf Mensch und Tier nicht vermeiden können, wenn nicht zusätzlich ein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein aller Hundehalter entwickelt wird.

Verantwortung für einen Hund zu übernehmen, bedingt die Fähigkeit zu erkennen, wann und wie in sein Verhalten eingegriffen werden sollte – oder eben auch mal nicht.

Es ist die Fähigkeit, Antworten für seine Fragen zu haben und ihn in entscheidenden Situationen nicht sich selbst zu überlassen.

Aggression, Beutefangverhalten und Gefährlichkeit

"Es gibt keine per se „gefährlichen Hunderassen“, darin sind sich alle namhaften Verhaltensforscher einig – es liegt nicht alles in den Genen". (Dr.med.vet. Dorit Urd Feddersen-Petersen)


Ursächlich und verantwortlich für ein aggressives Verhalten des Hundes ist immer der Mensch und das soziale Umfeld des betroffenen Hundes. „Aggressivität“ und „Gefährlichkeit“ sind somit auch nicht synonym, sondern unterscheiden sich maßgeblich.


Hier werden Begrifflichkeiten oft falsch verwendet: 

Hunde, die knurren, sind nicht aggressiv, sie kommunizieren!


Das ist den Menschen oft nicht bewusst. Aggressivität ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Sozialverhaltens und der Kommunikation von Hunden, vergleichbar mit lautem Reden bis hin zum Schreien beim Menschen. 

Dabei muss man differenzieren: Natürliches Aggressionsverhalten zeigen Hunde im Rahmen der Verteidigung, wie z. B. beim Territorialverhalten.


Normal ist auch, dass Hunde durch aggressives Verhalten nach außen ihre Position in einer Gruppe verdeutlichen, ohne sich gegenseitig zu beißen.


Bewegt sich ein Hund jedoch in seiner Verhaltensform ständig auf der höchsten Stufe des Eskalationsniveaus und scheut auch nicht davor zu beißen, ist das ein Zeichen mangelnder Angepasstheit in das Sozialsystem und ist als Verhaltensstörung zu werten.


Abzugrenzen davon ist allerdings aggressives Verhalten durch Krankheit, wie z.B. durch bestimmte Hirntumore und schmerzhafte Prozesse.

Diese können eine Wesensänderung mit gesteigertem Aggressionsverhalten bei Hunden auslösen.

Aber auch Jagdtrieb und Frustration können Aggression hervorrufen.

Die Kastration von Hunden gilt noch immer oft als schnelle Lösung für unerwünschtes Verhalten, Gesundheitsvorsorge oder Tierschutz. Doch aktuelle Studien zeigen: Sexualhormone steuern weit mehr als nur die Fortpflanzung – sie beeinflussen Körperentwicklung, Gesundheit und Verhalten. Dies erklärt, warum pauschale Kastration dem individuellen Wesen Hund nicht gerecht wird, welche Risiken sie birgt und welche Alternativen es heute gibt.

Kastration als verantwortungsvolle Standardlösung?

Die Frage der Kastration von Hunden ist längst keine rein medizinische mehr. Sie berührt ethische, gesellschaftliche und biologische Ebenen gleichermaßen. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Kastration als verantwortungsvolle Standardlösung propagiert, um ungewollte Fortpflanzung zu verhindern, Hunde „einfacher“ zu machen und Tierheime zu entlasten.

Doch diese Sichtweise wird zunehmend hinterfragt. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine pauschale Kastration dem komplexen Wesen Hund nicht gerecht wird und in vielen Fällen mehr schadet als nützt.

Pauschale Kastration greift tief in biologische Prozesse von Hund ein.

Häufig übersehen wir, dass Sexualhormone weit mehr Funktionen erfüllen als die reine Fortpflanzung. Testosteron, Östrogen und Progesteron sind zentrale Steuerungselemente des Körpers. Sie beeinflussen Knochenwachstum, Muskelentwicklung, Stoffwechsel, Immunsystem und die Reifung des Nervensystems. Wird ein Hund kastriert, greift man tief in diese biologischen Prozesse ein. Besonders bei jungen Hunden, deren körperliche und geistige Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, kann dieser Eingriff weitreichende Folgen haben. Studien zeigen, dass sich durch den Wegfall der Hormone das Schließen der Wachstumsfugen verzögert, was das Risiko für Gelenkerkrankungen und orthopädische Probleme deutlich erhöhen kann.

Risiken der Kastration beim Hund

Auch gesundheitlich ist die Kastration kein risikofreier Eingriff. Zwar wird häufig auf ein reduziertes Risiko für bestimmte Tumorarten verwiesen, doch gleichzeitig steigt das Risiko für andere Erkrankungen. Dazu zählen unter anderem Kreuzbandrisse, Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Krebsarten, Harninkontinenz bei Hündinnen sowie ein deutlich erhöhtes Risiko für Übergewicht.

Der veränderte Hormonhaushalt senkt den Energiebedarf des Hundes, was bei unveränderter Fütterung schnell zu Adipositas führen kann. Übergewicht wiederum begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Gelenkprobleme und wirkt sich massiv auf die Lebensqualität aus.

 

Kastration ändert nichts an „schlechtem“ Verhalten!

Ein besonders hartnäckiger Mythos ist die Annahme, dass Kastration automatisch zu besserem Verhalten führt. Tatsächlich sind viele problematische Verhaltensweisen nicht hormonell bedingt. Aggression, Angst, Unsicherheit oder übermäßiges Bellen entstehen häufig durch schlechte Erfahrungen, mangelnde Sozialisierung oder falsches Training.

In solchen Fällen kann eine Kastration wirkungslos bleiben oder das Verhalten sogar verschlechtern. Studien zeigen, dass kastrierte Hunde in manchen Situationen ängstlicher oder stressanfälliger reagieren als intakte Tiere. Gerade bei unsicheren Hunden können Sexualhormone eine stabilisierende Wirkung haben, deren Wegfall zu einer Verschärfung bestehender Probleme führt.

Pauschale Kastration bei Hund aus dem Tierschutz?

Oft wird die pauschale Kastration mit dem Argument des Tierschutzes verteidigt, insbesondere zur Kontrolle der Hundepopulation.

Dieses Argument greift jedoch zu kurz. Untersuchungen legen nahe, dass hohe Kastrationsraten nicht automatisch zu weniger Hunden in Tierheimen führen. Die Ursachen für überfüllte Tierheime liegen vielmehr in mangelnder Aufklärung, unkontrolliertem Handel, illegaler Zucht und fehlender Verantwortung einzelner Menschen. Verantwortungsvolle Hundehalter sind durchaus in der Lage, Fortpflanzung durch Management, Aufsicht und Leinenführung zu verhindern, ohne einen irreversiblen operativen Eingriff vornehmen zu lassen.


Alternativen zur Kastration beim Hund

Die moderne Tiermedizin bietet inzwischen Alternativen zur chirurgischen Kastration. Reversible Methoden wie die chemische Kastration mittels Hormonchip ermöglichen es, die Auswirkungen einer hormonellen Veränderung zunächst zeitlich begrenzt zu testen. So kann beurteilt werden, ob sich Verhalten oder gesundheitliche Aspekte tatsächlich verbessern, ohne sofort eine endgültige Entscheidung zu treffen. Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Tierärzten, Hundetrainern und Haltern trägt dazu bei, individuelle Lösungen zu finden, die nicht auf pauschalen Eingriffen basieren

Sorgfältige Abwägung statt Standardlösung

Die gesellschaftliche Sicht auf Hunde hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Hunde werden heute stärker als individuelle Lebewesen wahrgenommen und weniger als Tiere, die möglichst problemlos funktionieren sollen. Diese veränderte Haltung erfordert auch ein Umdenken in der veterinärmedizinischen Praxis.

Statt Standardlösungen braucht es Zeit, Aufklärung und eine sorgfältige Abwägung aller Vor- und Nachteile. Die Entscheidung für oder gegen eine Kastration sollte immer auf den einzelnen Hund zugeschnitten sein und nicht auf allgemeinen Empfehlungen beruhen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die pauschale Kastration von Hunden nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Ethik entspricht.

Sie kann in bestimmten Fällen sinnvoll oder notwendig sein, etwa bei klaren medizinischen Indikationen oder starkem, hormonell bedingtem Leid.

Als allgemeine Maßnahme jedoch ist sie zu undifferenziert und birgt erhebliche Risiken. Eine individuelle Betrachtung, die Alter, Rasse, Gesundheit, Verhalten und Lebensumstände des Hundes einbezieht, ist der verantwortungsvollere Weg. Der Abschied von pauschalen Lösungen eröffnet die Möglichkeit, Hunde respektvoller, bewusster und ihrem Wesen gerechter zu begleiten.

Zur Info:

(Die Kastration von Hunden ist in Deutschland grundsätzlich verboten, da sie als Amputation gilt, aber es gibt wichtige Ausnahmen:

Sie ist erlaubt, wenn ein Tierarzt eine medizinische Notwendigkeit feststellt (z.B. bei Tumoren, Gebärmutterentzündungen) oder wenn es zur Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung im Tierschutz dient; rein erzieherische oder praktische Gründe sind keine ausreichende Indikation. Eine "Kastration auf Verdacht" ist nicht zulässig, es bedarf immer einer klaren tierärztlichen Begründung.

Wann ist die Kastration erlaubt (Ausnahmen)?

·    Medizinische Indikation:

o  Gebärmuttervereiterung (Pyometra)

o  Hoden- oder Eierstocktumore

o  Hodentorsion (Hodenverdrehung)

o  Kryptorchismus (nicht abgestiegene Hoden)

·    Tierschutzgründe:

o  Verhinderung der unkontrollierten Vermehrung (z.B. bei Streunern).

·    Hormonell bedingtes Verhalten:

o  In manchen Fällen bei starker Hypersexualität oder Läufigkeitsstress, wenn dies eindeutig durch Hormone verursacht und ein Tierarzt dies als medizinisch sinnvoll erachtet.

Wann ist die Kastration verboten (keine ausreichende Begründung)?

·    Erziehungsfragen: Aggression, Markieren, Aufreiten oder Streunen (wenn es keine medizinische Ursache hat) sind keine gültigen Gründe.

·    „Praktische Gründe“: Vermeidung von Läufigkeit, vermeintliche Erleichterung der Haltung.


Lustiges und Heiteres rund um unsere Lieblinge: